Čau!
Wie schon angekündigt ist der 1. September hier in Lettland etwas ganz besonderes. Es ist jedes Jahr der erste Schultag und wird wohl an jeder Schule ein bisschen anders - aber besonders "gefeiert". (Da kommt einem doch gleich mal die Frage in den Sinn, warum man den ersten Schultag nach drei Wochen Sommerferien feiert, nicht wahr?)
Auf jeden Fall zieht sich jeder chic an und bringt seinem Klassenlehrer Blumen mit. Nachdem ich also -ohne Schwierigkeiten und durch Madaras Hilfe- meinen Klassenraum gefunden hatte, und meiner Lehrerin die Blumen gegeben habe, wurde ich sehr überrascht durch die freundliche Umarmung und ein Wangenküsschen.
Wir warteten darauf, dass langsam alle eintrudelten und ihre Blume abgegeben hatten und dann ging es nach draußen, wo sich die ganze Schule versammelte. Es wurden ein paar Reden gehalten, von denen ich natürlich nichts verstanden habe, die Nationalhymne gesungen und die 1. Klässler an den Händen der 12. Klässler (das ist die Abschlussklasse) "in unsere Mitte" geführt. Das war irgendwie alles sehr knuffig.
Es wurde noch aus einem der oberen Fenster der Schule ein Foto von uns gemacht und dann ging es zurück zum Klassenraum.
Ich musste mich natürlich wie auch die andern beiden neuen Schülerinnen vorstellen und dann war dieser Schultag eigentlich schon fast vorbei.
Der zweite Tag in der Schule war dann der Sporttag, an dem ich aber keinen Sport machen musste, weil die 11. Klässler für die Beaufsichtigung zuständig sind. Ich hätte aber wirklich lieber ein bisschen Sport gemacht, als 3 Stunden in unglaublicher Kälte draußen auf dem Sportplatz zu stehen und erzielte Punkte der Schüler zu zählen.
Danach gings aber noch mit drei Mädchen aus meiner Klasse und unserer Klassenlehrerin in ein Café, um ein bisschen zu plaudern und das war echt nett!
Freitag war dann auch endlich (?) mal Unterricht. In der 1. Stunde Ökonomie ist direkt mal was lustiges passiert. Die Lehrerin wusste nämlich offenbar nicht, dass ich eine Austauschschülerin bin und sie nicht verstehe, denn sie hat mich während sie redete die ganze Zeit angeguckt (weil ich am nächsten bei ihr saß, schätze ich mal) und ich hab einfach zurück geguckt und genickt und musste mir das Lachen total verkneifen, als ich in die Gesichter meiner Mitschüler geguckt habe. Der Gesichtsausdruck der Lehrerin war köstlich anzusehen, als ihr dann gesagt wurde, dass ich aus Deutschland bin.
Der restliche Tag verlief weiter mit einigen Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten und deshalb habe ich auch die Englischstunde sehr genossen, in der ich dann auch mal wirklich was verstanden habe.
Was noch wirklich interessant zu erwähnen ist, ist dass es hier in der Schule eine Garderobe gibt, wo wirklich jeder Schüler morgens seine Jacke abgibt. (Mit ist allerdings erst im Laufe des Tages aufgefallen, dass alle Schüler ohne Jacke rumlaufen.. "War denen nicht kalt auf dem Weg zu Schule? Immerhin sind hier morgens nur so an die 10 Grad.").
Dieses Garderobensystem ist echt cool. Da stehen dann ein oder zwei nette Damen und du gibst deine Jacke ab, indem du deine Klasse und deine Nummer sagst (die Klasse ist nach Alphabet einmal durchnummeriert). Ich wusste natürlich meine Nummer nicht, hatte aber Hilfe von einer Mitschülerin, sodass dann in einer Liste nachgeguckt wurde, in der auch wirklich mein Name stand mit dem Vermerk "Vācija" dahinter. Sehr kuffig, jetzt weiß auch schon die Garderobenfrau, dass ich die Deutsche bin.
Heute war ich mit meiner Gastmama und Madara in einem Shoppingcenter in Rīga und habe mir Gummistiefel gekauft. Die sind hier wirklich nötig, denn als ich am Freitag in meinen Chucks zu Schule gelaufen bin, hatte ich ziemliche Schwierigkeiten. :D Hier sind nämlich viele Straßen nicht Asphaltirrt und dazu kommen noch die aktuellen Rohrarbeiten. Die Straßen sind durch den Regen total aufgeweicht, aber es ist nicht die Art Matsch, die ich aus Deutschland kenne, der einfach nur ein bisschen rutschig ist - Nein, du sackst so ca 3 cm tief in den Schlamm ein.
Also: Gummistiefel!
In diesem Center haben wir auch noch etwas gegessen und als wir gehen und der Kellner uns "Uz redzēšanos" also "Auf Wiedersehen" sagt, habe ich es nicht richtig verstanden, aber mir war die Bedeutung klar. Ich wollte etwas ähnliches erwiedern, mir fällt nichts gutes ein und sage das umgangssprachliche Čau, was irgendwie gar nicht angebracht war. Lustig war es aber auf jeden Fall!
Noch eine weitere Sache, die mich wirklich fröhlich stimmt. Ich konnte Madara ein wenig fürs Spazierengehen begeistern. Wir waren die letzten Tage immer an den Spätnachmittagen ein bisschen draußen und gestern sind wir sogar im strömenden Regen durch Schlamm und Pfützen geplantscht.
Ach und nochwas: Versuch mal einem Letten das Wort "Eichhörnchen" beizubringen. Da hast du wirklich unglaublich viel Spaß! Wenn sie versuchen das Wort auszusprechen klingt es irgendwie asiatisch. An die andern Weltenbummler: Probiert das mal aus ;)
Eichhörnchen heißt übrigens Vāvere!
Hey Linchen wirklich toll all deine Erlebnisse und Erfahrungen lesen zu können !Macht auch sinn kannst ja nicht allen einzeln die tollen Geschichten erzählen !Wir (Onkel Ralle Tantepe und Max) Lesen fleißig!Ganz viele liebste Grüsse auch von der Omi sie liest !Eine tolle Zeit für die Mietzetatze wünscht die buckelige.......
AntwortenLöschenHallo Linchen,
AntwortenLöschenund jetzt noch ne Tante von der buckligen ...:
mir hat es heute genau so viel Spaß gemacht das hier alles zu lesen, wie "Onkel" Ralf und "Tante" Petra.
Es war so schön, Dich so erfrischend von Deinem neuen Zuhause und Deinen Erlebnissen schreiben zu sehen. Manchmal habe ich hier laut gelacht und in jedem Satz konnte ich unsere typische Lina förmlich vor mir sehen und hören.
Bei uns geht jetzt natürlich auch seinen Gang.
Die frischgebackene Berufsschülerin fühlt sich sehr wohl unter anderem dank einer sehr netten Klassenlehrerin. Hatte gerade mal zwei "normale" Schultage, da gab es schon ein Highlight: Wasserskifahren auf der Sechs-Seen-Platte. War wohl lustig, aber nicht sehr erfolgreich.
Der Schulanfang war auch für mich ziemlich spannend - alles fremd - für alles muss man nachfragen. Aber zumindest muss ich nicht auch noch mit einer fremden Sprache kämpfen.
Jetzt nach einer Woche fühle ich mich schon richtig wohl - das Kollegium hat uns unglaublich nett empfangen. Jeder hatte immer ein offenes Ohr für jede noch so blöde Frage, zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl irgendwie lästig zu sein. Auf diese Weise ist die erste Woche nun also glimpflich verlaufen und nachdem ich fast jeden Kurs schon einmal gesehen habe, blicke ich natürlich ganz anders in die zweite Woche. Ich wünsch Dir alles Liebe auch für Deine zweite Schulwoche und freu mich jetzt schon drauf wieder von Dir zu lesen ...
Bine